Baden und Schwimmen

Baden und Schwimmen

Eigentlich ist das Wasser im Lago Maggiore doch Nebensache. Also nun ja – natürlich ist Wasser für einen See nicht ganz unbedeutend. Aber wer den Lago Maggiore besucht, ist doch eher auf der Suche nach Natur und Kultur, Bergen und gutem Essen … oder? 😉

Jaaaaa … ich sollte nicht immer von mir auf andere schließen. Und ich war ja in den letzten 17 Jahren, die ich hier lebe, auch so zwei oder dreimal im See. Wenn ich’s vor lauter Hitze im Sommer gar nicht mehr ausgehalten habe. Und das beweist: Sooooo kalt ist er gar nicht, der See. Sonst wär ich da nie rein.

Trotzdem: Man muss das Wasser schon sehr mögen, um gerne im Lago Maggiore zu baden. Vielleicht ist es deshalb so schwierig, überhaupt eine Stelle zu finden, an der man überhaupt bis ans Wasser kommt? Dazu kommen üble Strömungen, die nicht ganz ungefährlich sind. Dazu gleich mehr.

Wenn ihr also unbedingt ins kalte Wasser wollt, habe ich einige Tipps für euch, wo ihr das besonders ausgiebig machen könnt. Nicht nur im See – auch in den Zuflüssen finden sich schöne Badestellen.

Aber vorher ein kleiner Exkurs

Der See hat seine Tücken

Bei einer geschäftlichen Abendveranstaltung bin ich vor etlichen Jahren mit einem sehr sympathischen, sportlichen älteren Herrn ins Gespräch gekommen, der sich sehr für den Lago Maggiore interessiert hat, weil er leidenschaftlicher Segler ist. Wir haben also viel über den Lago Maggiore gesprochen und übers Segeln.
Ende Teil 1 der Geschichte.

Spannend wurde es, als ich ihn zwei Jahre später wieder getroffen habe. Er war tatsächlich mit seinem Segelboot am Lago Maggiore. Hat das Boot in Luino ins Wasser gelassen und sich darauf gefreut, die ersten Runden zu drehen (Sagt man das so im maritimen Sprachgebrauch?). Dann war er endlich auf dem Wasser, allein auf dem Boot … und kam mit den Strömungen überhaupt nicht zurecht. Weder mit den Strömungen im Wasser noch mit den Winden.

Es war ein krasser Gegensatz zu seiner sonst so souveränen Persönlichkeit, als er begann zu erzählen, wie ihn nach Stunden zum ersten mal in seinem Leben Todesangst überkam, weil er absolut keine Chance sah, sein Boot allein zu manövrieren. Erst weitere Stunden später, kurz vor Sonnenuntergang, konnte er endlich anlegen. Irgendwo an einem Hafen, den er nicht kannte.

Sein Boot hat er nie wieder betreten und noch am Lago Maggiore verkauft. Auch später wollte er keinen Fuß mehr auf ein Segelboot setzen.

Sicher ein außergewöhnlicher Fall, der aber doch zeigt, dass mit dem See nicht zu spaßen ist.

Also Vorsicht beim Schwimmen!

Viel zu gefährlich! Und wenn’s nicht die Strömungen sind, gibt’s andere Gefahren. Wie ein Kumpel meines Bruders, der eigentlich mit seinem Gleitschirm am Strand von Cannero landen wollte. Hat nicht so richtig gut getroffen und ist den Leuten im Wasser auf den Kopf gefallen.

Oder der hormonell gestörte Riesen-Zander, der bei Locarno Badegäste angegriffen hat, die dann mit Bisswunden im Spital behandelt werden mussten. Selbst die schweizer Polizeitaucher, die den Zander verwarnen wollten, wurden angegriffen, wie die Blick-Zeitung berichtet.

Sicher auch außergewöhnliche Fälle, die aber doch zeigen, …

Lassen wir das – ich bin meiner Sorgfaltspflicht nachgekommen und habe euch gewarnt!

Mich haben diese Schreckensmeldungen außerdem nicht davon abgehalten, meinen ganzen Mut zusammen zu nehmen und auch mal in den Lago Maggiore zu hüpfen. Aber ich kenne auch meine Grenzen. Und die sind da, wo ich den Boden unter den Füßen verliere. Also so ungefähr drei bis vier Meter vom Ufer entfernt.

Schwimmen geht wohl trotzdem …

… hab‘ ich zumindest schon beobachtet. An warmen Tagen sind die Strände in Cannobio und Cannero Riviera gut besucht. Das Wasser auch. Die Bars am Strand leider auch. Aber mein Glas Weißwein hab‘ ich noch immer bekommen.

Und damit wären wir auch wieder beim Thema:

Die Top 10 der schönsten Badestellen

Wie schon für Wanderungen oder Shopping-Ausflüge, habe ich eine online-Karte für allgemeine Freizeitaktivitäten erstellt, die ich nach und nach mit empfehlenswerten Lokalitäten füllen werde. Die Badestellen sind bereits enthalten.

Die Freizeit-Karte findet ihr unter freizeitkarte.rustico.info.

Die Bedienung der Karte erfolgt analog zur Wanderkarte, für die ich diese Anleitung geschrieben habe.

Der Strand von Cannero Riviera

Mit Abstand der bekannteste Strand am ganzen See ist sicherlich der in Cannero Riviera. Den Namenszusatz „Riviera“ hat Cannero tatsächlich für das milde Klima und den Strand bekommen. Die ganze Süd-West-Seite der Halbinsel von Cannero Riviera ist Strand. Mehrere hundert Meter lang. Feiner Kies-Strand, zum Teil auch Sand, große Liegewiesen, kleine Palmen, schattige Olivenbäumen und einige Möglichkeiten zur Einkehr, vor allem am nahe gelegenen Feriendomizil Happimag.

Wenn ihr lieber eine ruhige kleine Bucht für euch sucht, findet ihr die je nach Wasserstand, indem ihr die Hafenanlage weiter westlich entlang geht. Am Ende des Stegs gibt’s einige kleine natürlich Badestellen, für die ihr vielleicht ein paar Meter durchs Wasser waten oder über etwas Treibholz steigen müsst. Dafür habt ihr da hinten eure Ruhe.

Der Parco Lido in Cannobio

Wer’s gerne etwas lebhafter mag, findet in Cannobio einen quirligen Strand, der fast immer gut besucht aber selten überfüllt ist. Es gibt viele Parkplätze, die aber zum Großteil kostenpflichtig sind, öffentliche Toiletten und Umkleiden sowie etliche Bars, Eisdielen und Restaurants in der Nähe. Mit Tomaso Sail & Surf findet hier hier sogar ein gutes Angebot aller möglichen Wassersportaktivitäten. Auch ein öffentlicher Grill ist vorhanden, der frei genutzt werden darf.

Cannobio gilt auch als das sicherste Windsurf- und Segelrevier am ganzen See, da hier die Strömungen und Turbulenzen noch beherrschbar sein sollen. Der Schwerpunkt der Wassersportaktivitäten liegt aber im Kitesurfen. Macht auch beim Zuschauen Spaß!

Der Rio Cannobio

Für Nichtschwimmer oder solche, die lieber durchs Wasser waten und sich gerne auf glatt geschliffenen Felsplatten sonnen, bietet der Rio Cannobio eine interessante Alternative für die gelegentliche Abkühlung. Wenn nicht gerade die Schneeschmelze oder starke Regenfälle für Hochwasser sorgen, lädt der flache und breite Bergbach vor allem bei der Mündung in den Lago Maggiore zum Baden ein. Dabei könnt ihr ganz einfach vom Parco Lido in den Fluss wechseln.

Doch auch weiter oberhalb im Valle Cannobina gibt es einige Stellen, die atemberaubend schön und durchaus zum Baden geeignet sind. Große, vom Wasser in den Fels gegrabene Becken mit kristallklarem Wasser in einer steilen, wilden Schlucht … Aber hierzu kann ich momentan keine Empfehlungen abgeben, da für den Bau von Wasserkraftwerksleitungen seit Jahren immer wieder große Bereiche gesperrt werden oder anderweitig unzugänglich sind. Wenn sich diesbezüglich etwas ändert, ergänze ich meine Lieblingsstellen noch auf der Karte.

Privatstrand bei Gonte Oggebbio

Zwischen Cannero und Giffa bietet die Bar Hemmingway eine kleine Liegewiese direkt am See. Wem die Stelle nicht zu nah an der Straße liegt, kann hier wunderbar entspannen und sich dabei noch mit Getränken und kleinen Speisen bedienen lassen.

Es gibt aber auch einen öffentlichen Strand der sich direkt oberhalb (also nördlich) der Bar über mehrere hundert Meter erstreckt. Dieser Strand taucht aber nur bei absolutem Niedrigwasser auf und ist deshalb vor allem im Frühling und Frühsommer „Land unter“.

Alternativ gibt es noch den öffentlichen Strand etwas weiter südlich in Oggebbio Spasolo, der neben vielen Parkplätzen eine schöne Liegewiese bietet. Allerdings fehlt hier das typische Strand-Feeling, da der Grund sehr steil abfällt.

Öffentlicher Strand bei Ghiffa

Noch etwas weiter südlich, kurz vor Ghiffa, findet sich ein weiterer schmaler Strand, der zwar ziemlich steinig ist, aber über genügend Parkplätze verfügt. Direkt am Parkplatz ist eine Bar, in der man gemütlich den Seeblick genießen kann.

Auch dieser Strand ist bei Hochwasser verschwunden aber im Sommer die meiste Zeit nutzbar.

Sublime Beach-Club: Private (kostenpflichtige) Strandanlage

Wer’s gerne etwas exklusiver mag, kann bis nach Pallanza in den Sublime Beach-Club fahren. Schöner Strand mit perfekter Süd-Ausrichtung, Bewirtung und ruhigem Ambiente. Dafür nicht kostenlos.

Der kleine Badestrand in Ferriolo bei Baveno

Nahe der Straße und direkt an einem Parkplatz liegt der kleine, aber sehr beliebte öffentliche Strand von Ferriolo. Da es der einzige öffentliche Strand in einer von Touristen stark frequentierten Gemeinde ist, ist er leider öfter auch mal überfüllt. In diesen Fällen könnt ihr euch in eine der gemütlichen Bars in Ferriolo zurück ziehen.

Mergozzo: Kleine Liegewiese am Lago di Mergozzo

Heute leider kein Geheimtipp mehr aber trotzdem eine lohnende Alternative für alle, die statt Kies und Sand lieber auf dem Rasen liegen: Der kleine Strand vor Mergozzo hat alles, was ein gemütlicher Badetag braucht: Ruhe, Parkplätze direkt oberhalb des Strands und eine Bar. Außerdem eine gute Möglichkeit, die verkehrsreichen Seestraßen mal zu verlassen und den etwas ruhigeren Lago di Mergozzo zu besuchen.

Rustica: die Badebucht am Lago di Mergozzo

Einen Geheimtipp gibt’s dann aber doch noch: Der Badestrand „Rustica“ am Lago di Mergozzo, unterhalb des Mont’orfano. Wenn man auf dem Weg von Verbania Richtung Gravellona Toce den Golfplatz passiert hat, findet man rechter Hand über eine immer schmaler werdende Straße zu einem echten Traumstrand mit türkisblauem Wasser. Die Liegewiese an einer ruhigen und flachen Bucht teilt man sich mit Wasservögeln und den wenigen italienischen Familien, die diesen Geheimtipp kennen. Alte Weiden spenden Schatten, das flache Wasser ist perfekt für Kinder, Tretboote warten darauf, gemietet zu werden. Einziges Manko: Die Sonne verschwindet am Nachmittag etwas zu früh hinter dem Mont’orfano. Die nahen Bahngleise stören hingegen kaum, da hier nur selten ein Zug vorbei kommt.

Badewanne und Abenteuerspielplatz für Wasserratten: Bergbach bei Cannero

Hier treffen sich die Jugendlichen von Trarego-Viggiona: Die kleine Wanne im Bergbach ist nur zu Fuß zu erreichen und bietet wenig Wasser, dafür viele Möglichkeiten für riskante Rutschpartien und Sprünge. Hat eigentlich mit Baden nicht viel zu tun, macht aber Spaß – wie alles, was gefährlich ist.

Und jetzt noch die obligatorischen Hinweise …

Viel gibt’s eigentlich nicht mehr zu sagen. Wie auch in Deutschland sind Hunde an allen öffentlichen Badestränden verboten, nicht jedoch an den frei zugänglichen Stellen der Flüsse und Bäche. Grillen wird meistens toleriert, vor allem, wenn nicht viel los ist am Strand. Badeschuhe solltet ihr immer dabei haben. Und Sonnenschirme machen nur an den wenigen Tagen Sinn, an denen es mal nicht windig ist am See. Deshalb werdet ihr mehr Strandmuscheln sehen als Sonnenschirme.
Wer gerne angelt, muss noch ein paar Wochen warten – meine Tipps für Angler sind bereits in Arbeit.

Dann mal viel Spaß im Wasser!

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