Tour 6: Cannobio

Tour 6: Cannobio

Cannobio ist sicher eines der schönsten und lebenswertesten Städtchen am Lago Maggiore und bietet mit dem Markt am Sonntagvormittag ein Einkaufserlebnis, das Tagesgäste aus ganz Mitteleuropa anlockt.

Doch wie alles hat auch diese Medaille zwei Seiten. Und die Kehrseite kennt jeder, der mal versucht hat, während der Saison einen Parkplatz in Cannobio zu finden. Am Sonntag ist mit dem Auto fast kein Durchkommen möglich.

Cannobio
Die Strandpromenade vom Hafen aus betrachtet

Und das ist der erste der zwei Gründe, warum ich diese Tour mindestens 5 bis 6 mal jährlich gehe. Warum mit dem Auto fahren, wenn es zu Fuß fast genauso schnell geht? Hinzu kommt, dass die Tour wirklich atemberaubend schön ist. Die vielen Ein- und Ausblicke in unglaublich konzentrierter Form sind der zweite Grund. Und der Anstieg auf dem Rückweg ist auch mit dem Einkauf gut zu schaffen – vorausgesetzt, ihr habt den Rucksack nicht vergessen.

Zeitbedarf für den Abstieg bei gemütlichem Tempo: ca. 1:30 h. Für den Aufstieg darf es auch mal eine dreiviertel Stunde mehr sein, beim Rückweg über Carmine Superiore auch 1:45 h. Geht gut mit Turnschuhen, besser mit leichten Wanderschuhen.

Viggiona
Los geht’s in Viggiona

Auch von Trarego aus ist diese Tour gut zu gehen. Für das Stück zwischen Trarego und Viggiona verweise ich auf Tour 2. In Viggiona starten wir vom zentralen Parkplatz und passieren zuerst die alte Kirche aus dem 16. Jahrhundert, die zu einer kurzen Besichtigung einlädt. Danach geht’s weiter Richtung Friedhof, wo wir eine noch ältere Kirche aus dem 14. Jahrhundert leider nicht besichtigen können, weil das Dach einsturzgefährdet ist. Schade, dass eine der ältesten erhaltenen Kirchen dieser Zeit allein wegen Geldmangel dem Verfall preisgegeben wird.

Ab dem Friedhof gehen wir auf einer alten, perfekt erhaltenen Mulattiera (Maultierweg) bergab, zuerst durch den Wald, dann ab Molineggi über freies Gelände. Hier bietet sich ein Hinweis zu den Ortsnamen an: ‚Molineggi‘ oder – wie auf den Wegweisern zu lesen – ‚Mulinesc‘, ‚Fodrasca‘ oder ‚Fudrasca‘, ‚Prome‘ oder ‚Prume‘ … alles das gleiche. Nur einmal italienisch, einmal Dialekt. Dialekte sind in Italien noch deutlich stärker ausgeprägt als in Deutschland und haben im Alltag eine große Bedeutung. Das zeigt sich vor allem auch bei den Ortsnamen.

Rustikal und feudal in einem

Molineggi
Ab Molineggi öffnet sich der Blick auf den See.

Die Mühle in Molineggi macht den Anfang einer Reihe liebevoll restaurierter Häuschen, die den Weg säumen. Die Lage ist beliebt wegen dem Panoramablick und der Nähe zum See. Deshalb findet man hier kein Rustico mehr, das nicht bereits aufwendig saniert worden wäre. Die Autozufahrt macht’s möglich.

In Cannobio angekommen bieten sich etliche Möglichkeiten, den Tag zu verbringen – auch wenn kein Markttag ist. Es gibt viel zu bewundern und zu entdecken, Möglichkeiten zum Baden oder Einkaufen. Das einzige, was ich in Cannobio nicht unbedingt empfehlen kann, sind die Restaurants am Hafen… wie überall in den touristischen Orten am Lago Maggiore. Da bin ich einfach zu verwöhnt vom Preis-Leistungsverhältnis der Restaurants in Trarego-Viggiona. Die Bars am Seeufer zwischen der Kirche und dem Strand hingegen sind ganz gut, wenn auch nicht wirklich günstig.

Blick auf Cannobio und den Markt, der sich über die ganze Strandpromenade erstreckt

Carmine Superiore

Wenn beim Rückweg noch genügend Energie übrig ist, empfehle ich einen Abstecher nach Carmine Superiore ab Molineggi. Der Ort war nie mit dem Auto erreichbar und damit dem Verfall preisgegeben, bis verschiedene Künstler das Kleinod für sich entdeckt haben. Heute ist Carmine Superiore ein gelungenes Beispiel, wie durch viel Arbeit und persönliches Engagement das Leben zurück in die toten Dörfer kommen kann.

Prinzipiell könnte man den Weg nun auch weiter bis Cannero gehen, vorbei an alten Villen, wie in Tour 4 beschrieben. Der Weg ist nach dem Erdrutsch vor zwei Jahren wieder komfortabel begehbar, macht die Tour aber dann sehr lang und auch anstrengend.  Den direkten Weg von Carmine nach Viggiona kann ich leider auch nicht empfehlen, deshalb ist er auch nicht in der Karte eingezeichnet. Er ist auf dem Wegweiser als „anstrengend und steil“ beschrieben. Wirklich Spaß gemacht hat er noch nie – auch nicht nach der aktuellen „Renovierung“ 2018. Da wurden nur einige Ketten angebracht, um die Absturzgefahr vor allem bei Nässe zu verringern. Deshalb empfehle ich eher die Rückkehr nach Molineggi und vor dort aus nach Viggiona. Erfahrungsgemäß hat man aber nach der Shopping-Tour in Cannobio ohnehin keine Lust mehr auf Umwege oder Abstecher 😉

Mulattiera
Nicht jede Mulattiera ist so gut erhalten.

Zum Schluss noch eine Warnung

An Sonntagen, vor allem im Herbst, ist Vorsicht geboten! Nicht nur auf diesem Weg sondern allgemein. Hier aber besonders. Denn Sonntag ist in Italien Jagd-Tag. Und ich habe auf genau dieser Mulattiera leider mehr als einmal erlebt, dass ich nach Passieren einer Kurve oder nach einem Fels plötzlich in den Lauf eines Flinte blicken konnte. Der Jäger mit Gewehr im Anschlag hat mich nicht gesehen, aber wohl gehört. Und irgendwie höre ich mich anscheinend wie ein Wildschwein an.

Passiert ist aber bisher nichts.

Normalerweise bemerkt man die Jäger schon aus weiter Entfernung. Kläffende Hundemeuten, viel Geschrei, Signalkleidung – Jäger in Italien verstecken sich nicht wie in anderen Ländern. Dafür schießen sie auf alles, was sich bewegt. Ich kenne kaum einen Italiener auf dem Land, der so nicht schon einen Hund verloren hätte. Von Unfällen mit Menschen hört man seltener. Deshalb mein Rat: Wenn ihr merkt, dass Jäger unterwegs sind, nehmt euren Hund an die Leine! Ich habe zusätzlich immer eine Signalweste dabei (für den Hund, nicht für mich).


Die Wanderkarte für PC, Tablet oder Smarphone findet ihr unter wanderkarte.rustico.info

In meinem Beitrag ‚Anleitung zur Karte‘ findet ihr eine Beschreibung, wie ihr die Karte bestmöglich nutzen könnt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.