Corona in Italien – aktuelle Informationen (Update 26.4.21)

Nachdem mein Blog die letzten Monate nur noch aus Beiträgen zur Corona-Lage bestand, habe ich jetzt alle Artikel gelöscht, die ohnehin nicht mehr wirklich aktuell oder interessant waren. Die Situation in Italien ändert sich einfach zu oft und zu schnell. Und offizielle Aussagen der Behörden sind leider nicht immer wirklich belastbar, da der ein oder andere Beamte manchmal nur das macht, was er gerade für richtig hält – Grenze auf, Grenze zu, Dokumente werden mal akzeptiert, mal nicht …
Deshalb fasse ich jetzt alle aktuellen Informationen so gut es geht in diesem Beitrag zusammen.


Offizielle Informationen der italienischen Behörden

Hier erst mal ein paar Links zu offiziellen Seiten, wo ihr die relevanten rechtlichen Informationen nachlesen könnt. Hundertprozentig belastbar sind diese Infos nicht (dafür haben italienische Behörden zu viel Auslegungsspielraum), aber ihr könnt euch einen Überblick verschaffen. Ich würde mich allerdings nicht drauf verlassen, wenn da steht, dass die Einreise für Deutsche möglich ist – denn ob das zutrifft, entscheidet viel zu oft die jeweilige Tagesform des diensthabenden Grenzbeamten, unabhängig davon, ob ihr alle nötigen Dokumente dabei habt oder nicht.

  • Auswärtiges Amt Deutschland – gibt einen passablen Überblick aber mehr auch nicht. Sind eben nur die offiziellen Informationen, die im Zweifelsfall nicht wirklich belastbar sind.
  • Italienisches Konsulat – Die sitzen leider in Berlin und damit viel zu weit entfernt von Rom, um auch alle Informationen zuverlässig zu haben. Deshalb gibt’s hier auch nur „könnte“, „empfehlen“, „im Allgemeinen“ … nur bedingt hilfreich.
  • Das Italienische Außenministerium hat einen tollen Fragebogen entwickelt, der euch Auskunft darüber gibt, ob ihr einreisen dürft (auch auf englisch): Questionario
    Aber wie belastbar ist das Ergebnis dieses Fragebogens? Ihr ahnt es … Einmal hab‘ ich mich drauf verlassen … und durfte an der italienischen Grenze umdrehen und nach Deutschland zurückfahren. Hat sich halt noch nicht bis zu den Grenzbeamten rumgesprochen, dass das Außenministerium einen tollen Fragebogen entwickelt hat …

Um es kurz zu machen: Alle offiziellen Informationen geben bestenfalls einen ersten Anhaltspunkt, sind es aber nicht wirklich wert, sich drauf zu verlassen – so zumindest meine Erfahrung nach vielen Einreiseversuchen – mal mit Erfolg, mal ohne, mal legal, mal Glück gehabt …

Diese Dokumente solltet ihr auf jeden Fall bei euch haben

Wenn ihr nach Italien einreisen wollt, solltet ihr auf jeden Fall diese Vorbereitungen treffen (gilt vorerst bis zum 5. März):

  • Ein negativer Corona-Test ist in jedem Fall Pflicht. Dabei spielt es (offiziell) keine Rolle, ob PCR- oder Antigen-Schnelltest, auf Papier oder online bestätigt. Der Test darf maximal 48 Stunden alt sein.
    Ohne Test müsst ihr 14 Tage in überwachte Quarantäne, mit Test 5 Tage – danach wird nochmal ein Test fällig, den ihr euch selbst organisieren müsst. Und das ist gar nicht so einfach, denn selbst die meisten Apotheken können euch nicht sagen, wo ihr einen Test bekommt.
  • Ihr müsst eine Selbstauskunft mit euch führen, in der ihr alle relevanten Informationen (Zweck der Reise, Verkehrsmittel, Adresse etc.) und Vorkehrungen (Coronatest bzw. Ort der Quarantäne) bestätigt. Das Formular findet ihr hier auf englisch bzw. italienisch.
  • Ihr müsst euch nach Ankunft in Italien beim lokalen Gesundheitsamt melden und euren Aufenthalt ankündigen. Ich mache das immer per Mail, an die das Selbstauskunftsformular und der negative Coronatest angehängt ist. Die Mailadressen und Telefonnummern der Gesundheitsämter im Piemont findet ihr über diesen Link. Für die anderen Regionen hab‘ ich leider nichts – da müsst ihr euch dann selbst auf die Suche begeben (z. B. Google-Suche „aziende sanitarie“ und die Region , beispielsweise „lombardia“).

In der Theorie reicht das dann für die Einreise. Aber leider nur in der Theorie …

Leider klappt es nicht immer reibungslos

Je nach Nationalität gibt’s schon mal Unterschiede:

  • Für Menschen aus Gebieten mit Virus-Varianten wie beispielsweise Indien ist die Einreise momentan nicht erlaubt.
  • Schweizer dürfen zwar prinzipiell einreisen, sollten das aber bei Rot- oder Orange-Einstufung (siehe unten) nicht unbedingt am Samstag oder Sonntag tun. Denn dann könnte der Grenzbeamte davon ausgehen, dass ihr nur mal schnell zum Einkaufen nach Italien fahrt. Und Einkaufstouristen werden sehr oft wieder zurück geschickt. Gibt zwar keine mir bekannte rechtliche Grundlage, aber das interessiert einen italienischen Beamten nicht immer … zumindest nicht am Wochenende.
  • Wenn die ganze Familie im Auto sitzt (egal welcher Nationalität), könnte das nach Tourismus aussehen … und das könnte ähnliche Folgen haben wie der Einkaufstourismus der Schweizer.

Und dann kommt noch das Farbenspiel hinzu: Ihr habt sicher schon von der Klassifizierung gehört, mit denen das Corona-Geschehen der Regionen eingestuft wird und die Basis für die Einschränkungen bis hin zum Lockdown ist. Da gibt es Weiß (Bianco – alles ok, keine Einschränkungen), Gelb (Gialla – nächtliche Ausgangssperre und das Verbot, die Regionengrenze zu überschreiten), Orange (Arancione – die Gemeinde darf nicht verlassen werden, starke Einschränkungen für Handel und Gastronomie) bis hin zu Rot (Rosso – kompletter Lockdown).

Zwar ist die Einreise von dieser Farbgebung offiziell nicht betroffen, nach meiner Erfahrung habt ihr aber kaum eine Chance, in eine „rote“ Region einzureisen. Bei „orange“ braucht ihr etwas Glück, dann kann’s klappen, bei „gelb“ und „weiß“ sollte es kein großes Problem sein.

Eine Übersicht über die Farbeinstufung der Regionen findet ihr hier.

Soviel zur Theorie – jetzt zur Praxis

Habe ich schon angedeutet, dass die offiziellen Informationen nicht unbedingt belastbar sind? Ich teile gerne meine Erfahrungen mit euch und überlasse es euch dann selbst, ob ihr momentan eine Reise nach Italien wagen wollt oder nicht.

  • Ich wurde in letzter Zeit oft gefragt, ob die deutschen Corona-Tests akzeptiert werden oder nicht. Hierzu kann ich leider keine Antwort geben, da das bei den Kontrollen bislang schlicht keine Rolle gespielt hat. Entweder (in den meisten Fällen war das so) ich wurde gar nicht kontrolliert und einfach durchgewunken, dann war alles ok. Oder es wurde an der Grenze kontrolliert, dann war es komplett egal, welche Dokumente und Formulare ich dabei hatte. Hat einfach nicht interessiert – Einreise verweigert.
  • Wenn das Piemont „rot“ eingestuft war, konnte ich beliebige Dokumente vorlegen … die wurden nicht mal angesehen. Egal ob berufliche Einreise oder privat, selbst wenn ich mich trotz negativem Test in Quarantäne begeben hätte … keine Chance – Einreise verweigert.
  • Bei der Einstufung „Orange“ kam ich glücklicherweise immer gut über die Grenze – weil ich nie kontrolliert wurde. Entweder es gab keine Kontrollen oder die Beamten waren mit anderen Einreisewilligen beschäftigt. Ich kann also nicht mit Sicherheit sagen, dass bei „Orange“ immer alles reibungslos klappt.
  • Bei „gelb“ hatte ich nie Probleme. Ich habe allerdings auch bei „gelb“ mehrfach beobachtet, dass Autos mit Schweizer Kennzeichen am Wochenende nicht durchgelassen wurden. Stichwort „Einkaufstourismus“. Da lässt sich aber evtl. mit dem Grenzbeamten reden, wer weiß …

Fazit: suboptimal

Ich spare mir jetzt eine Bewertung des Ganzen – die könnt ihr sicher gut selbst vornehmen. Und mit Vergleichen zu anderen Ländern halte ich mich ebenfalls zurück. Denn wirklich befriedigend läuft es doch kaum irgendwo. Bestenfalls kann man dem ein oder anderen Land attestieren, dass sie aus den letzten 12 Monaten gelernt haben – das sehe ich in der Schweiz und auch in Italien. Andere Regierungen schaffen es auf unnachahmliche Weise, sich alle 4 Wochen von genau dem gleichen Sachverhalt überraschen zu lassen und immer wieder die gleiche Marschrichtung einzuschlagen, von der sie vorher verkündet haben, dass das „damals“ ja ein großer Fehler war …

Ich hoffe einfach, dass das alles in den nächsten Wochen und Monaten besser wird. Italien hat mittlerweile sämtliche Altenheime, medizinischen und Pflegekräfte durchgeimpft, sogar zwei mal, und ist damit in der Lage, sukzessive das Leben wieder zu normalisieren, wenn jetzt die übrige Bevölkerung dran kommt. Auch die Belastung der Intensivkapazitäten oder gar die Sterberate der letzten Wochen ist mittlerweile entspannter als die Situation in vielen anderen Ländern, wie beispielsweise Deutschland … trotz nach wie vor hoher Inzidenzwerte. Italien scheint also insgesamt auf einem ganz guten Weg zu sein, was die Abwägung gesellschaftlicher Bedürfnisse und Interessen angeht.
(Bevor mir jetzt wieder so ein Hurra-Deutschland-Fanatiker eine beleidigende Mail schickt, was ich mir eigentlich erlaube … und dass Deutschland die Pandemie ja wohl besser im Griff hat als der Rest der Welt … Leute, mir ist das komplett egal! Ich freue mich einfach, wenn es in Italien aufwärts geht. Ob Deutschland das besser oder schlechter gemacht hat, interessiert mich nicht!)

Wenn es Neuigkeiten gibt, werde ich diesen Beitrag updaten – noch einen Corona-Blogbeitrag will ich nicht mehr schreiben!

15.03.2021 – und hier ist das aktuelle Update

Seit heute ist Italien wieder fast komplett „rote Zone“ und damit für die private Einreise ohne bestätigten wichtigen Grund verboten. Und das wird auch durchgesetzt.

Es hat sich bereits letzte Woche angekündigt, die Kontrollen wurden von Tag zu Tag schärfer, bei der Einreise und auch hinter der Grenze. Außerdem haben die steigenden Infektionszahlen nichts anderes erwarten lassen, als dass vor und über Ostern die gleichen politischen Entscheidungen getroffen werden wie bereits an Weihnachten. Nur sind die Beschränkungen diesmal noch stärker, vor allem für alle, die in Italien wohnen und leben.

Das gilt vorerst bis nach Ostern, also bis zum 6. April.

05.04.2021 – Es tut sich nichts im Piemont

Und wieder in kurzes Update: Auch nach Ostern bleibt alles bei „rot“ im Piemont. Die Einreise ist zwar prinzipiell erlaubt, wenn man anhand einer notariellen Bestätigung nachweisen kann, dass man in Italien über einen (Zweit-)Wohnsitz verfügt. Diese notarielle Bestätigung muss vor dem 15. Januar 2021 ausgestellt worden sein.

Es liegt aber ausdrücklich im Ermessen des kontrollierenden Beamten, ob man die Grenze überschreiten darf. Muss man zum Erreichen des Wohnsitzes innerhalb Italiens eine Gemeinde-, Provinz- oder gar Regionengrenze überschreiten, kann (und wird in der Regel) die Einreise untersagt.

Das gilt vorerst bis Ende April. Mit etwas Glück gibt’s dann hoffentlich wieder Lockerungen …

12.04.2021 – Es tut sich doch was!

Die strengen Einschränkungen nach Ostern gelten nun doch nicht bis Ende April. Ich konnte es auch erst nicht glauben und habe extra bis heute gewartet, um sicher zu gehen. Und tatsächlich: Gerade wurden die neuen offiziellen Farbeinstufungen veröffentlicht: Piemont, Lombardei und die meisten anderen Regionen Italiens sind wieder „orange“ – bis auf Campanien, Apulien, Sardinien und Aosta-Tal, die bleiben „rot“.

Konkret bedeutet dies, dass ihr bei Einhaltung der oben beschriebenen Voraussetzungen (Dokumente und Meldepflicht) wieder nach Italien einreisen könnt. Es ist zwar nach wie vor damit zu rechnen, dass touristische Aufenthalte weiterhin erschwert sind, außerdem gelten die strengen Verhaltensregeln in Italien. Aber wenn ihr beim Ferienhaus nach dem Rechten sehen wollt oder Termine wahrnehmen müsst, steht dem jetzt nichts mehr im Wege.

26.04.2021 – Italien macht wieder auf!

Irgendwie ist heute ein komischer Tag … glücklich auf der einen Seite, verwirrt auf der anderen Seite.

Italien: Die Inzidenz liegt bei ca. 160, damit sind die Gesundheitssysteme soweit entlastet, dass das Land wieder langsam geöffnet werden kann. Die meisten Regionen sind ab heute wieder Gialla – also gelbe Zone. Und damit normalisiert sich das Leben langsam. Die Einreise ist problemlos möglich, die oben aufgeführten Bestimmungen gelten aber zum Teil nach wie vor, außerdem einige Einschränkungen.

Deutschland: Die Inzidenz liegt bei ca. 160, was die Gesundheitssysteme derart belastet, dass das der bundesweite Lockdown nochmal verschärft werden muss und gemäß neuem Infektionsschutzgesetz ein Verstoß gegen die Bestimmungen mit bis zu 5 Jahren Gefängnis geahndet werden soll …

Und jetzt ratet mal, wo ich demnächst meine Zeit verbringen werde!
Euch alles Gute! Ich berichte aus Italien, wenn die Lage sich wieder ändert.

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