Covid-19 und Corona – so geht’s weiter in Italien

Das sollte eigentlich nicht der Zweck dieses Blogs sein: Irgendwie schreibe ich nur noch über Corona und die damit verbundenen Einschränkungen. Aber das ist ja mal das alles beherrschende Thema. Also auch im Neuen Jahr 2021: So verrückt geht’s weiter im Italien-Lockdown.

Ich wollte schon einige der Blogbeiträge zu Corona löschen, lasse sie aber erst mal stehen. Vielleicht interessiert ja irgendjemanden die Entwicklung der letzten Monate. Rückblickend und mit Blick auf die aktuelle Situation lässt sich sagen: Es geht auch in Italien weiter wie bisher: unfassbar chaotisch!!!!

Confusione oder Casino? Hier blickt keiner mehr durch!

Die Headlines der italienischen Zeitungen kennen nur noch zwei Worte: Confusione (Chaos) und Casino (Glückspiel). Und das trifft die Situation sehr gut. Zum Verständnis beschreibe ich mal die ersten Tage dieses Jahres:

  • Die ersten Feier- und Wochenendtage vom 1. bis 3. Januar war ganz Italien „zona rossa“, also kompletter Lockdown.
    Trotzdem (und trotz Feuerwerksverbot) wurde an Neujahr geböllert und geknallt wie selten zuvor.
    Trotzdem wurde die bergige Region oberhalb des Lago Maggiore von Tagestouristen überrannt, wie ich es noch nie erlebt habe. Wir hatten mehr als doppelt so viele Wanderer (mit Schneeschuhen und Skiern) als sonst in der Hauptsaison. Und die haben wirklich alles überrannt, haben nicht mal Halt gemacht vor eingezäunten Privatgrundstücken. Ich musste während meines Aufenthalts die Gartentore absperren, damit die Touristen ihre Pause nicht in meiner Pergola verbringen.
  • Am 4. Januar war dann „zona arrangione“, man durfte sich also innerhalb der eigenen Gemeinde frei bewegen und endlich wieder einkaufen gehen.
    Trotzdem waren die Supermärkte leer. Das lag nicht daran, dass die Menschen keine Lebensmittel gebraucht hätten sondern daran, dass es in der Gemeinde ausschließlich Carrefour-Supermärkte gibt, die ihre Preise der Situation angepasst haben. Der Staat hat ihnen mit den Bewegungsverboten ein Monopol geschenkt, das genutzt werden will. Zwei Stücke Käse, eine Salami, Toastbrot, ein Päckchen Spaghetti und zwei Flaschen Wein … macht 83 €!!!!!!!
  • 5. und 6. Januar wieder „zona rossa“. Und mit dem ersten Sonnenschein des Jahres auch wieder Touristenströme ungeahnten Ausmaßes. Der schmale Fußweg am Rand meines Grundstücks, der im Winter sonst komplett verwaist ist, gleicht samt den angrenzenden Wiesen mittlerweile einer Skipiste.
  • Danach blickt keiner mehr durch: Der 7. und 8. Januar war als „zona arrangione“ geplant, wurde dann aber kurzfristig in eine „verschärfte zona gialla“ umgewandelt, also eine gelbe Zone mit verschärften Vorschriften. Was das bedeuten sollte, konnte mir niemand wirklich erklären.
  • Der 9. und 10. Januar sollten „zona rossa“ sein, sind nun aber doch nur eine „verschärfte zona arrangione“, in einigen Regionen aber doch „zona rossa“. Wieder keine Ahnung, was das bedeuten soll. Mittlerweile kümmert sich sowieso niemand mehr darum, weil’s ohnehin keiner versteht.
  • Ab morgen, 11. Januar, gilt wieder eine italienweit gültige „verschärfte zona gialla“, die aber zum 15. Januar in das alte System der regionalen Zoneneinstufung überführt werden soll. Außerdem gilt schon ab morgen, dass bestimmte Regionen abweichende Zonen ausweisen können oder gar müssen – das bestimmt dann der italienische Gesundheitsminister mit dem treffenden Namen „Speranza“ (Hoffnung).
  • Die Rückkehr zur alten Zoneneinteilung der Regionen ist aber nicht wirklich eine Rückkehr, denn es wird alles neu eingestuft. Natürlich „viel transparenter und logischer“ … letztendlich aber nur wesentlich strenger. Wer vorher „zona gialla“ war, wird vermutlich „arrangione“, auch die „zona rossa“ wird wieder deutlich schneller aufgebürdet. Dafür kommt evtl. noch eine neue Zone hinzu, die früher „zona verde“ (grüne Zone) hieß, jetzt aber zur „zona bianca“ (weiße Zone) wird … Ob das aber wirklich kommt, bleibt abzuwarten.
    Momentan sieht’s so aus als würde die neue individuelle Einstufung der Regionen nur für die Wochentage gelten. Wochenenden sind immer mindestens „arrangione“, also orange.
  • Was das alles für Auswirkungen auf die Einreise aus dem Ausland haben wird, kann ich beim besten Willen noch nicht absehen. Sicher ist, dass bei der Einreise ein negativer Coronatest vorgelegt werden muss, ansonsten ist eine zweiwöchige Quarantäne fällig. Auch die Selbstauskunft per Formular bleibt Pflicht. Aber damit hat man noch lange nicht das Recht zur Einreise und ist immer noch vom Wohlwollen des Grenzbeamten abhängig, der die Einreise auch verweigern kann (und das meiner Erfahrung nach bei einer Kontrolle auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit tun wird, wenn nicht gerade „zona gialla“ angesagt ist).

Ich kann wirklich gut verstehen, dass die Nerven der italienischen Bevölkerung blank liegen. Bei meinem ersten Treffen mit Freunden bekam ich auf die Frage, wie’s denn so geht, zur Antwort: „Was vorgestern in Washington passiert ist (Sturm auf das Capitol), passiert nächste Woche in Rom!“
Und diese Freunde sind normalerweise unglaublich entspannt und ganz sicher keine politischen Eiferer.

Wer wagt einen Vergleich mit Deutschland?

Jetzt habe ich zwar selbst keine Möglichkeit, die Situation in Italien mit der in Deutschland zu vergleichen, da ich seit zwei Wochen die deutschen Gegebenheiten nur aus der Zeitung kenne, wo auch viel über „Chaos“ geschrieben wird.

Wenn ich aber die Nachrichten vergleiche, weiß ich nicht, ob ich gerade wirklich wieder nach Deutschland zurück will. Tagestourismus außer Kontrolle … Bewegungseinschränkungen … Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen … Deutschland hat zwar viel mehr Impfstoff pro Kopf, trotzdem liegt die Quote der erfolgten Impfungen pro Kopf in Italien deutlich höher als in Deutschland (Wie kann das denn überhaupt sein? bzw. wo sind die Impfdosen in Deutschland verschollen?) … Quarantäneregelungen mit doppelter Testpflicht bei Einreise nach Deutschland … Keiner weiß mehr wirklich, was denn nun für ihn und sein Bundesland gilt …

Corona im Kopf …?

Die Welt spielt verrückt … und die Politiker machen mit, so gut sie können …

Was bleibt als Fazit?
Ich rate momentan davon ab, nach Italien zu reisen. Vielleicht sieht’s in einer Woche schon wieder anders aus, momentan ist die Situation etwas unklar.
Und … gut, dass die Politiker irgendwie alles auf die EU schieben können, sonst könnte es ja tatsächlich sein, dass die Menschen irgendwann die Nerven verlieren.

In diesem Sinne: Macht das Beste draus, lasst Euch nicht unterkriegen und versucht die Zeit zu nutzen … beispielsweise mit einem Italienischkurs.

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